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Kreditrating

Worum handelt es sich bei einem Kreditrating?


Bei einem Kreditrating handelt es sich um ein standardisiertes Verfahren, mit dem die Bonität eines Kunden eingeschätzt wird. Aufgrund dieser Berechnungen kann dann geschätzt werden, wie große die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredits ist. Das Ergebnis des Kreditrating hat dann Auswirkungen auf die Kreditentscheidung und dessen konkrete Ausgestaltung. Aber auch für das Kreditinstitut ist das Ergebnis von Bedeutung. Denn je höher die Bonität des Schuldners ist, desto weniger Eigenkapital muss für einen Kredit vorgehalten werden. Am bekanntesten sind die Ratingeinstufungen für Staaten, die regelmäßig von den großen Ratingagenturen veröffentlicht werden. Entsprechende Verfahren gibt es aber auch bei der Kreditvergabe an einfache Unternehmen oder Organisationen.


Welche Faktoren spielen für das Kreditrating eine Rolle?


Basel II - Teil der internationalen Eigenkapitalvorschriften - erlaubt zwei unterschiedliche Verfahren zur Bestimmung des Kreditratings: Den IRB-Basisansatz und den fortgeschrittenen IRB-Ansatz. Es handelt sich aber jeweils nur um einen allgemeinen Rahmen, der von den einzelnen Kreditinstitutionen dann auf jeweils unterschiedliche Weise mit Leben gefüllt wird. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass für das Kreditranting drei Dinge eine wesentliche Rolle spielen: Hard Facts, Soft Facts und individuelle Faktoren. Wie detailliert die einzelnen Punkte abgefragt werden, hängt von der Größe des Kredits und der Größe des Unternehmens oder der Organisation ab.


Relevante Hard Facts für das Kreditrating


Wie der Name es schon suggeriert handelt es sich bei den Hard Facts im Wesentlichen um konkrete Zahlen - man spricht daher auch von einer quantitativen Analyse. Dazu gehören zum einen die Daten des Rechnungswesens aus der Vergangenheit. Aus diesen werden dann konkrete Kennzahlen - etwa für die Rentabilität eines Unternehmens abgeleitet, die dann in das eigentliche Kreditrating einfließen. Anhand von Investitionsplanungen und der zukünftigen Bilanzplanung wird zudem versucht, auch die zukünftige Entwicklung des Unternehmens einzuschätzen. In diesem Bereich bestehen aber naturgemäß vergleichsweise große Unsicherheiten, weil die Zahlen in der Regel nur auf Annahmen beruhen können.


Relevante Soft Facts für das Kreditrating


Zahlen alleine genügen aber nicht immer. Die quantitative Analyse wird daher noch durch einen qualitativen Ansatz ergänzt. Zu den weichen Faktoren gehört beispielsweise die Positionierung eines Unternehmens auf dem Markt. Handelt es sich also beispielsweise um den unangefochtenen Marktführer oder nur um einen kleinen Akteur mit namhafter Konkurrenz. Andere relevante Punkte sind beispielsweise die Kunden- und Lieferantenbasis sowie mögliche Alleinstellungsmerkmale gegenüber Konkurrenten. Außerdem wird die Branche auch als ganzes in den Blick genommen. Dafür gibt es einen sogenannten Branchenfaktor, der ebenfalls in die Beurteilung einfließt. Zu den Soft Facts zählt aber auch die Qualität der Unternehmensführung.


Der individuelle Faktor


Unabhängig davon welcher Ansatz verwendet wird, werden alle Unternehmen, die einen Kreditantrag stellen, in ein bestimmtes Schema gepresst. Bei der Vielzahl an Firmen weltweit kann es aber sein, dass bei einzelnen Antragstellern besondere Faktoren vorliegen, die die Bonität erhöhen - von den festen Schemata aber nicht erfasst werden. Teilweise ist es daher möglich, diese individuell zu erfassen und in das Kreditrating einfließen zu lassen. Dabei ist allerdings Zurückhaltung geboten. Denn theoretisch besteht in diesem Bereich die Möglichkeit, die Bonität eines schlechten Schuldners künstlich und ohne reale Bais zu verbessern.


Bonitätsklassen und Ausfallwahrscheinlichkeit


Das Ergebnis der Berechnungen und Einschätzungen führt dann zu der Einstufung des Kredits in eine bestimme Bonitätsklasse. Als Mindeststandard ist dabei das Sieben-plus-eins-System festgeschrieben. Also: Sieben normale Einstufungsmöglichkeiten und eine Klasse für alle notleidenden Kredite. Die meisten Banken haben aber deutlich differenzierte Systeme mit mehr als zwanzig Bonitätsstufen. Die Ratingklasse gibt schließlich Auskunft darüber wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kredit innerhalb eines Jahres ausfällt. Ausgehend von der englischen Bezeichnung "Probability to Default" wird dieser Wert als PD abgekürzt. Während der Laufzeit eines Kredits ist es zudem möglich, dass sich die Einstufung verändert - etwa weil sich auch die zugrunde liegenden Zahlen massiv verschlechtert oder verbessert haben.


Der erwartete Verlust und die Kreditkonditionen


Neben der reinen Ausfallwahrscheinlichkeit ist für die Bank aber auch von Interesse, wie viel Geld dabei verloren ginge. So gibt es Kredite, die fast vollständig abgesichert sind - beispielsweise über eine dahinter stehende Immobilie. Es kann aber auch sein, dass bei einem Ausfall die komplette Kreditsumme verloren geht. Je mehr von dem Kredit bereits ab bezahlt wurde, desto geringer ist die mögliche Ausfallsumme natürlich noch. In der Fachsprache wird diese als LGD ("Loss given Default") bezeichnet. Aus Ausfallwahrscheinlichkeit und Ausfallsumme lässt sich dann der erwartete Verlust kalkulieren. Die Formel dafür lautet: PD x LGD = EL. Dieser wiederum ist entscheidend dafür, ob ein Kredit bewilligt wird und zu welchen Konditionen.


Internes und externes Kreditrating


Grundsätzlich gibt es zwei Akteure, die ein Kreditrating erstellen können. Zum einen ist dies die Bank, bei der ein Kredit beantragt wird. In diesem Fall spricht man von einem internen Rating. Es gibt aber auch spezielle Ratingagenturen. Diese stehen in der Regel in keinem geschäftlichen Verhältnis zu dem überprüften Unternehmen. Es handelt sich daher um ein externes Kreditrating.


Wer profitiert von der Pflicht zu einem Kreditrating?


Grundsätzlich profitieren Antragsteller mit einer hohen Bonität und wenig Risiken von der genauen und standardisierten Prüfung. Denn dadurch müssen sie in der Regel niedrigere Zinsen berechnen. Allerdings steigt für alle Unternehmen die Pflicht zur Transparenz. Denn es müssen alle relevanten Zahlen offen gelegt werden. Auf der anderen Seite müssen Kreditnehmer mit niedrigerer Bonität mit vergleichsweise höheren Zinsen rechnen. Grundsätzlich soll von den Regelungen aber das gesamte Bankensystem profitieren, weil so die Risiken besser und schneller abgeschätzt werden können. Im Idealfall kann so eine neue Bankenkrise verhindert werden.


Wie wirkt sich das Kreditrating auf die Bilanz der Banken aus?


Bevor die neuen Regelungen im Zuge von Basel II Gültigkeit erlangten, mussten die Banken alle Kredite mit acht Prozent Eigenkapital unterlegen. Dies war aber problematisch, weil dadurch bei vielen guten Krediten unnötig viel Eigenkapital gebunden wurde, während bei einer Ansammlung von faulen Krediten die Summe unter Umständen nicht ausreichte. Daher gilt inzwischen: Wird ein anerkanntes Kreditrating-Verfahren genutzt, kann das benötigte Eigenkapital an das Ausfallrisiko des Kredits gekoppelt werden. Banken mit vielen risikoreichen Krediten müssen also mehr Geld vorhalten als Institute mit vergleichsweise sicheren Schuldnern. Da das Eigenkapital der Banken beschränkt ist, steigert dies die Attraktivität von seriösen Antragstellern - und ermöglicht diesen bessere Konditionen.


Gibt es auch bei Privatpersonen ein Kreditrating?


In dieser klassischen und standardisierten Form nicht. Allerdings findet auch bei Privatpersonen vor der Kreditvergabe natürlich eine Bonitätsprüfung statt. Diese basiert in der Regel aber vor allem auf harten Zahlen. So wird abgefragt, ob es in der Vergangenheit bereits zu Kreditausfällen kam und wie die Einkommenssituation des Antragstellers aussieht. Die Prüfung ist aber in der Regel nicht so intensiv wie bei einem Kreditrating.

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